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Sonderbeauftrager für Umweltschutz der Stadt Freystadt

Gerhard Schmidt
Telefon: 09179 9467731
E-Mail: gerhard.schmidt@freystadt.de

Mähen von Grünland ab 1 Hektar – von außen nach innen verboten

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass manche Landwirte ihre Wiesen von innen nach außen mähen. Diese Art der Mahd dient zur Wahrung des Wildtierschutzes und ist keine Empfehlung, sondern vom Gesetzgeber so vorgeschrieben. Seit dem 01.August 2019 heißt es im Bayerischen Naturschutzgesetz: „Bei der landwirtschaftlichen Nutzung ist es verboten, bei der Mahd auf Grünlandflächen ab 1 Hektar von außen nach innen zu mähen, davon unberührt bleibt stark hängiges Gelände.“

Nachdem jetzt die Mähsaison auf manchen Flächen in vollem Gange ist, bitte ich im Interesse des Wildtierschutzes, dass sich sich alle Landwirte in unserer Gemeinde an diese gesetzliche Vorgabe halten.

Hier zwei Beispielbilder wie so eine Mahd erfolgen kann:

Mähknigge 

Mähnknigge

Bildquelle: LfL, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Mit diesen beiden Varianten können Wildtiere in angrenzende Flächen flüchten.

 

Biodiversität und Artenvielfalt in Freystadt

Sonneblumen - Foto: Gerhad SchmidtAm Freitag, 25.03.2022 fand eine gut besuchte Infoveranstaltung im Spitalstadel statt.

Zusammen mit den Kreisfachberatern Theresa Linhard und Ralf Bundesmann vom Landschaftspflegeverband Neumarkt e.V. informierte der Umweltschutzbeauftragte der Stadt Freystadt, Gerhard Schmidt, wie es allgemein und im Detail um die Biodiversität und Artenvielfalt bestellt ist.

Auch der 1. Bürgermeister Alexander Dorr wies in seinen Grußworten darauf hin wie wichtig der Schutz und Erhalt der Artenvielfalt für die Großgemeinde Freystadt ist – und er freute sich, dass so eine Infoveranstaltung in Freystadt initiiert wurde – und dass in dieser Hinsicht nun gemeinsam die ersten, konkreten Schritte unternommen werden.

Die drei Referenten führten sehr anschaulich vor, wie dramatisch das Artensterben in Bayern und Deutschland ist. Das Ergebnis der Krefeld-Studie aus 2017 zeigt auf: In den letzten 27 Jahren sind die fliegenden Insekten um mehr als 75 % zurückgegangen!

Wir alle müssen handeln

Damit wir das massive Artensterben, zumindest in der Großgemeinde Freystadt aufhalten, appellierte Gerhard Schmidt mit Theresa Linhard und Ralf Bundesmann an alle Bürger in der Gemeinde ihren persönlichen Beitrag zu leisten.

Die Agrarbiologin Theresa Linhard empfahl: Überdenken wir unsere Ästhetik. Aufgeräumte und ständig saubere Strukturen sind nicht ökologisch nicht zielführend. Insekten brauchen Lebensraum, Unterschlupf und Nahrung und das können wir Ihnen im eigenen Garten, vor der Haustüre, anbieten!

Wenn möglich nur kleine Rasenflächen regelmäßig mähen. Lassen Sie mehrere Quadratmeter, am besten mindestens 4 m², „einfach wachsen“.

Altgras samt verblühten Pflanzen über den Winter stehen lassen. Erst im Frühjahr schonend, am besten mit einer Sense, mähen.

Legen Sie einen Komposthaufen an, das spart manchen Fahrt in den Wertstoffhof und Sie schaffen neuen Lebensraum für Insekten und Kleintiere.

Für die Verwertung von Schnittgut können Sie selbst eigene Totholzhecke (Benjeshecke) anlegen.

Steingärten oder Steinwüsten

Auch Steingärten können bei richtiger Anlage blühen! Gestaltet man dagegen seinen Garten nur mit Kies und anderen Steinen, kann man nur von Steinwüsten sprechen. Deren Pflege ist oft sehr energie- und arbeitsaufwendig. Außerdem heizen sich solche Flächen stark auf, Feinstaub wird nicht gefiltert, Lärmbelästigung steigt und Regenwasser kann oft nicht versickern.

Nutzen wir die Flächen die „eh da“ sind

Ralf Bundesmann erwähnte sehr anschaulich, dass es in jeder Gemeinde kommunale Flächen gibt, die quasi „eh da“ sind und ohne großen Mehraufwand sehr nachhaltig genutzt werden können.

Es gibt für Kommunen interessante Fördermöglichkeiten, bei deren Beantragung der der LPV Neumarkt gerne behilflich ist.

Gezieltes Pflegen anstatt aufwendige Neuanlagen
Herr Bundesmann empfahl einfache Maßnahmen mit großer Wirkung: Verändern Sie die Pflegeintensität anstatt aufwendige und meist teure Neuanlagen, z.B. Blühmischungs-Ansaaten.

Wegränder können Insektenparadiese sein

Das erfordert aber in der Regel eine andere Pflege. Wichtig ist: im ersten Schritt weniger, dafür zum richtigen Zeitpunkt mähen. Das Mähgut nach drei Tagen abtransportieren.
Sein dringender Apell: Verzichten Sie, wo es nur geht und sinnvoll ist, auf das Mulchen.  Mulchgeräte die in zahlreichen Bauhöfen eingesetzt werden,  häckseln quasi alles kurz und klein und töten durch die enorme Saugwirkung auch noch die letzten Kleinlebewesen im Boden. Da das Mulchgut liegen bleibt, begünstigt man den Stickstoffeintrag in den Boden und zerstört auf Dauer die Artenvielfalt. 

Wir brauchen heimisches Saatgut, der „Wiesefix“ hilft!

Mit anschaulichen Bildern wurde gezeigt wie einfach es ist heimisches, gebietseigenes Saatgut zu nutzen.
Mit dem Wiesefix können wir sicherstellen, dass nur gebietseigenes Saatgut gesammelt wird.  Heimische Wildpflanzen bieten quasi genetisch perfekt an die regionalen Bedingungen angepasstes Saatgut. Genau solche Wildpflanzen brauchen unsere Wildinsekten, etwa als Raupenfutter oder Nektarquellen. Damit können wir mithelfen langfristig stabile Pflanzengesellschaften zu schaffen, welche den heimischen Insekten die passenden Nahrungsquellen bieten.

Der Wiesefix kann über den Maschinenring Neumarkt gemietet werden und kann von einer Person bedient werden. 

Das Resümee dieser Veranstaltung: Wir alle müssen dringend handeln, fangen wir am besten sofort damit an.
Eine der ersten, konkreten Maßnahmen in Freystadt ist die gezielte Erfassung der ersten Wegränder auf kommunalen Flächen, welche sich als Altgrasstreifen eigenen und welche Flächen für ein nachhaltiges „eh da – Projekt“ in Frage kommen. 

Mehr Infos beim Umweltschutzbeauftragten Freystadt (siehe Kontaktdaten oben).